Michael Ilbert im Interview

Michael Ilbert im Interview

Engineer and producer Michael Ilbert's long and successful career began with credits on records by Roxette, a-ha, and the Cardigans. Over the past couple of years, Ilbert has lent his magic touch to records by the Hives, the Refused, Travis, Supergrass, In Flames, and Carolina Liar, but it's his work on Taylor Swift's Red and 1989 that have garnered him multiple Grammy nominations. More recently, Ilbert has worked on Swedish pop sensation Tove Lo's Queen of the Clouds and Adam Lambert's latest album, The Original High.

Here, Ilbert discusses his love of classic UA hardware, mixing "in the box," and what UAD Powered Plug-Ins bring to his A-list international hit parade.

What advice would you give someone sending their tracks to be mixed by you?

I try to convince my clients, please do not give me all the microphone tracks because I don't need them! If I need anything else, I'll just ask. I prefer when clients commit to mic blends on background vocals, for example. I would rather not have to guess the blend of mics or harmonies.

You use a hybrid analog/digital setup with tons of outboard compressors and a Neve 8028 board. What would you say is an area in which analog hardware still has advantages, and what can plug-ins do especially well?

It's difficult to make a definitive statement about that. I'm still in the process of experimenting. I feel my in-the-box mixes sound great. But they sound different from an analog mix.

"Die API-EQ-Plug-Ins, die sind so gut, ich benutze sie wirklich praktisch jeden Tag..."

In what way?

In the box, my mixes have faster transients. I find this really good for the pop mixes.

The main difference is that plug-ins emulate one, single piece of hardware, so each instance sounds exactly the same. That's something that I don't have with my Neve console. Even though it is perfectly maintained, every channel is slightly different sounding, and I think that plays an important role. In general, I am very satisfied with plug-ins, but I find they require a special approach to get what I'm after.

Can you explain?

Basically, I don't use the same plug-in on all channels of a session. Instead, I use a variety of different processors to achieve what I'm looking for. For example, with drums, I'll use the API® 500 Series EQ Plug-In Collection and use the 550A and 560 on the drums, and then perhaps I'll use the Helios™ Type 69 EQ plug-in for the guitar.

Im früheren Mix Room des Hansa Studios Berlin hat Michael Ilbert und sein beeindruckender Gerätepark ein Zuhause gefunden.

Was würdest du sagen ist ein Bereich in dem analoge Hardware immer noch Vorteile bringt, und was können Plug-ins besonders gut? Die ganze digitale Welt hat ja extrem weit aufgeholt in den letzten Jahren.?

Oh ja, auf jeden Fall! Es fällt mir schwer, da ein abschließendes Statement zu liefern, ich bin immer noch dabei, zu experimentieren. Der ITB-Mix, von dem ich eben sprach, klingt super! Aber er klingt anders als ein analoger Mix. Pro Tools 11 war ein großer Schritt, und ich arbeite auch mit den HD-Wandlern. Die sind vielleicht nicht die besten, aber sie sind sehr gut, und ich glaube auch sehr daran, dass es gut ist, dass dieses System, Hardware und Software, komplett aus einer Hand kommt. Und mittlerweile funktioniert der Latenzausgleich auch nahezu perfekt, ein ganz wichtiger Punkt. Was Plug-Ins betrifft, ist für mich Universal Audio der Hersteller. Universal Audio und vielleicht noch Softube, und die haben ja auch zusammengearbeitet. Ich finde, diese beiden sind den anderen Anbietern ein ganzes Stück voraus. Für mich ist der wesentliche Punkt, von der Hardware kommend, dass ich mich nicht mehr unbehaglich fühle, wenn ich mit diesen Plug-Ins arbeite. Das ist die Hauptsache!

Zum Beispiel die API-EQ-Plug-Ins, die sind so gut, ich benutze sie wirklich praktisch jeden Tag... Der wesentliche Unterschied ist, dass die Plug-ins immer noch genau ein Hardware-Teil emulieren und jede Instanz exakt gleich klingt. Das ist etwas, das ich bei meiner Neve-Konsole nicht habe. Auch wenn sie perfekt gewartet ist - jeder Kanal ist ganz leicht unterschiedlich, und ich meine, dass das eine wichtige Rolle spielt. Generell bin ich mit den aktuellen Plug-ins sehr glücklich, aber dieser Punkt bleibt, und das erfordert eine spezielle Arbeitsweise. Thema Low-Cuts - ich verwende beispielsweise dafür nicht dasselbe Plug-in auf allen Kanälen einer Session, sondern ich mische verschiedene Prozessoren. Meine Idee ist, dass sie alle nicht von derselben Person geschrieben sind und dass sie leicht unterschiedliche Dinge tun, und das Ergebnis erinnert mich dann mehr an das, was ich von einem analogen Mix gewohnt bin. Bei den Drums verwende ich viel API, aber dort kann ich immerhin noch zwischen dem 550 und dem 560 wählen, und bei den Gitarren kommt dann vielleicht das Helios-Plug-in zum Einsatz. Lass uns auch einen Blick auf meine 1176-Comps werfen. Ich habe mehrere Versionen und auch jeweils mehrere Units eines Typs, die klingen nicht hundertprozentig identisch, und da habe ich so meine Favoriten - beispielsweise für Vocals, oder für Bass.

Da dürfte die 1176-Collection mit dem Blackface, dem Blue Stripe und dem Anniversary-Modell deiner Arbeitsweise ja entgegenkommen.

Das ist auf jeden Fall ein sehr guter Schritt. Wenn jeder Kompressor exakt gleich reagiert und gleich klingt, dann schrumpft das meiner Erfahrung nach den Mix. Hier ist der Trick wieder, verschiedene Prozessoren zu mischen für ein optimales Ergebnis. Das betrifft auch nicht nur die "Vorarbeiten" wie die Low-Cuts, sondern auch den kreativen Teil des Mixes. Ich nehme bei den Reverbs beispielsweise gerne die EMT-Plate von Universal Audio, dann noch einen Reverb von Avid, und für die Leadvocals vielleicht meinen analogen AKG BX-20 Federhall. Das sind wieder drei Welten: Einmal voll-analog, und dann zwei Plug-Ins, von denen eines wiederum ein analoges Gerät emuliert. Wenn man all dies macht, dann vermisse ich nicht viel von dem, was einen analogen Mix ausmacht. Weil ich diese Tiefe auch auf diesem Wege bekomme, und wenn das Processing auf den Kanälen unterschiedlich ist, dann klingt es auch sehr lebendig.

"The UAD API EQ plug-ins are so good, I really do use them practically every day."

Du sagst also, dass entsprechende Ergebnisse heute auch rein digital nicht mehr unmöglich sind, aber dass es eine entsprechende Denk- und Arbeitsweise erfordert, um dorthin zu gelangen. Diese leichten Kanalunterschiede sind ja bei einem Analogpult automatisch da, und ITB muss man sie von Hand erzeugen ¬-wie eben beschrieben beispielsweise mit der Auswahl bestimmter Plug-Ins.

Es geht immer um das, was einem die Ohren sagen. Und hin und wieder gibt es einfach Veränderungen. Vor etwa fünf Jahren hatte ich eine ähnliche Situation, wo ich von einer rein analogen Arbeitsweise zum allerersten Mal zu einem hybriden Mix gewechselt bin, einfach weil dieses Projekt aus bestimmten Gründen Total Recall erforderte. Beim 1176 geht es ja im wesentlichen darum, mit wieviel Pegel zu hineingehst. Für Vocals stellst du Attack und Release meist ähnlich ein, für Bässe ebenfalls, und dann lässt du die Regler einfach so stehen und setzt die Pegel in der Box - zum Glück habe ich ja mehrere Units und kann mir solch eine Arbeitsweise deswegen erlauben. Mit solch einem Ansatz bekommst du dann das beste beider Welten. Die Hardware liefert dir die Klangfärbung - immer noch mehr Farbe als das Plug-In! - aber vielleicht nicht das letzte Quäntchen Kontrolle. Aber wenn ich dann noch mehr Kompression benötige, kann ich noch ein Plug-In zur Kette hinzufügen.

Wo man da am besten die Linie zieht - da experimentiere ich noch immer... am liebsten würde ich mir mal eine Woche freinehmen und denselben Mix dreimal machen: Einmal old-school auf dem Pult, mit Tape, dann mit einem Hybrid-Setup und schließlich noch einmal komplett in the box. Man ändert je nach Setup ja auch seine Arbeitsweise. Das Tape ebnet ja beispielsweise automatisch Transienten ein wenig ein, und auf der digitalen Ebene muss ich dann Limiter nehmen, um auf bestimmten Spuren die Impulse vergleichbar ein wenig wegzudrücken. Es geht hier nicht darum, Pegel zu erzeugen, sondern darum, den schnellsten Hochfrequenz-Schrott etwas einzuebnen - wieder etwas, das beim analogen Mix von selbst passiert und was man digital von Hand erzeugen muss. Es geht darum, die große Pegelkontrolle nicht erst auf dem Mix Buss stattfinden zu lassen, sondern die Spuren schon dafür vorzubereiten, ihre Dynamik so zu kontrollieren, dass der Mix Buss einfach ganz entspannt dasitzt und dich anlächelt... und dann braucht man auch kaum noch Kompression auf der Summe.

Du besitzt neben den verschiedenen 1176-Versionen auch einen originalen Universal Audio 176 Röhren-Limiter. Wünschst du dir den auch als Plug-In?

Ja, unbedingt! Aber der LA-3A wäre mir wichtiger. Die neuen LA-2A- und 1176-Plug-Ins sind so gut, das Update würde ich mir auch für den LA-3A wünschen. Generell findet der LA-3A nicht ausreichend Beachtung, finde ich, das ist so ein toller Kompressor. Ich benutze meine meist auf Gitarren, die sind immer gut, wenn der LA-2A schon zu reichhaltig und "tubey" ist, er ist schneller und mehr in-your-face, aber natürlich klingt er nicht so aggressiv wie ein 1176. Die Leute schauen immer auf den LA-2A oder den 1176, ich glaube sie verstehen den LA-3A nicht richtig. Aber frag mal Bob Clearmountain oder diese Jungs danach...

Tove Lo's "Timebomb" vom Album Queen of the Clouds.

Wofür verwendest du den UA 176 hauptsächlich?

Vocals! Ich benutze meine Outboard-Geräte gerne parallel und nicht als Insert, weil mir das etwas mehr Kontrolle gibt. Und wenn ich eine bestimmte Farbe bei Vocals hinzufügen möchte, dann nehme ich entweder den 176 oder den Blue Stripe. Mit diesen ganzen Kompressor-Varianten ist es wie bei einem Auto: Du hast eine Gangschaltung, und du wählst den Gang je nachdem, wo und wie du fährst. Auf der Autobahn fährst du schnell, also brauchst du einen schnellen Gang, aber es geht beim Fahren eben nicht immer bloß um Geschwindigkeit. Meine 1176-Varianten im Rack habe ich chronologisch angeordnet. Hier der älteste, der 176. Dann haben sie den Blue Stripe gemacht, die erste Transistorversion. Der ist schneller, hat ein bisschen Verzerrung, für mich klingt er aber immer noch eher nach Röhre. Dann kommt mein Favorit, der 1176 Blackface Revision D, übrigens ein Originalgerät aus dem Meistersaal der Hansa-Studios, da sind all die legendären Produktionen drüber gelaufen.

Und dann habe ich hier schließlich noch den Revision F, der ebenfalls unglaublich ist. Der D hat mehr Sättigung, er klingt heftiger, aggressiver, und der F ist eine etwas weicher klingende Variante. Er klingt nicht schlechter, nur eben etwas sanfter. Und diese Bandbreite decken übrigens auch die UAD-Plug-Ins gut ab. Es geht bei Plug-Ins endlich nicht mehr nur um die reine Kompression, sondern beim 1176 gibt es nun auch digital drei unterschiedliche Sounds. Probiert es einfach aus, drei Spuren, A, B und C, und ihr werdet sehr schnell merken, welche Variante ihr bei welchem Signal am liebsten mögt!

Ilbert's 1176 lineup from top: UA 176, two Blue Stripe, two LN models Rev D (from legendary Hansa Studios), and two LN Rev F models at bottom.

I presume the 1176 Plug-In Collection with the Blackface, the Blue Stripe and the Anniversary Edition, is well suited to your working method.

The UAD plug-ins also cover this spectrum very effectively. Finally plug-ins are no longer just about pure compression, but with the 1176, now there are three different sounds available digitally. It's easy to try it out. Set up three tracks with the identical source and try each version. You'll notice very quickly which option you prefer for which signal!

Would you like a plug-in version of the 176 Tube Limiter.

Yes, absolutely! But an updated Teletronix® LA-3A Classic Audio Leveler plug-in would be better. The new LA-2A and 1176 plug-ins are so good that I wish for the same update for the LA-3A.

What do you like about the LA-3A?

In general, the LA-3A doesn't get the respect it deserves. I use mine mostly on guitars. They're always good alternative if the LA-2A is a little too rich and "tubey." It's faster and more in-your-face, but of course it doesn't sound as aggressive as an 1176. People always reach for the LA-2A or the 1176, but I think that's because they don't understand the LA-3A!

— Hannes Bieger

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